„Do you have a jacket?“ – Eine Bitte

Der Herbst steht vor der Tür, es ist kalt und nass. Für mich ist es ungemütlich, aber wie muss es für Menschen sein, die aus wärmeren Klimaregionen kommen, die mit T-Shirt und Flipflops losgelaufen sind? Heute erzählte mir jemand, dass er in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft angesprochen wurde von einem Mann, schüchtern, verschämt. „Do you have a jacket?“ fragte der Mann. Die mir bekannte Person hatte gerade Winterschuhe in der Unterkunft vorbeigebracht – aber Jacken waren keine dabei. Und so musste die Person den frierenden Mann schweren Herzens abweisen. „Sorry, no jacket.“

Ich habe schon vor einigen Wochen viel Kleidung in die Altkleidersammlung gebracht mit dem Gedanken: „Gerade jetzt wird es besonders benötigt.“ Diese Geschichte nun aber brachte mich dazu, den Kleiderschrank erneut zu durchwühlen. Nicht nur auszusortieren, was ich „nicht mehr brauche“, sondern auch von dem zu geben, wovon ich im Überfluss habe. Warme Pullover, Socken, Winterschuhe, Decken, Jacken. Dinge, die ich sicher selbst noch tragen könnte – die ich jedoch doppelt und dreifach besitze. Denn es erscheint mir höhnisch, zwischen drei Winterjacken wählen zu dürfen, während vor meiner Haustüre Menschen sitzen, die nicht mal zwischen zwei T-Shirts wählen können.

Ich glaube, dass ich auf diesem Blog noch nie um etwas gebeten habe. Heute möchte ich das ändern: Ich bitte euch, in euren Kellern, Dachböden und Kleiderschränken zu schauen. Zu schauen, was ihr entbehren könnt. Sei es Kleidung, Spielzeug oder auch einfach nur Zeit. Die Hilfsbereitschaft in Deutschland ist groß. Und doch reicht es nicht aus. Zu wissen, dass da draußen so viele Menschen frieren und hungern, geht mir massiv an die Nieren. Es geht hier nicht um politische Parolen, um „rechts“, „links“ oder „mir doch egal“, um „willkommen“ oder „nicht willkommen“, es geht um Männer, Frauen, Kinder, die nichts (mehr) haben. Und wenn ich da an den kommenden Winter denke, wird mir schlecht. Damit meine ich nicht nur die Flüchtlinge – denn bei all der Hilfsbereitschaft aktuell in Deutschland dürfen die Menschen, die auf der Straße leben und ebenso den kalten Temperaturen ausgesetzt sind, nicht vergessen werden.

Bitte schaut, ob und was ihr entbehren könnt. Was ihr geben könnt, um den Menschen zu helfen. Fragt Eltern, Großeltern, Freunde, Nachbarn. Ich bin überzeugt, dass auch der kleinste Beitrag in den heutigen Tagen eine Hilfe ist. Und sei es nur für einen unter Abertausenden… Bitte, #giveajacket