Bilder-Aktion zum Welt-Autismus-Tag 2014

Eine Welt - Zwei Wahrnehmungen

Vor einer Woche haben wir euch aufgerufen, uns Bilder zu schicken, die eure Wahrnehmung der Welt zeigen oder beschreiben. Wir waren begeistert über die vielen Bilder, die wir dann zugeschickt bekamen – aufgrund der Masse konnten wir leider noch nicht alle Bilder auf die Bildwand setzen (sonst säßen wir in vier Tagen immer noch beim Hochladen), aber wir ergänzen die Bilder nach und nach. Auch Einsendungen nach dem Welt-Autismus-Tag sind möglich, die Bildwand wird nicht aus dem Netz genommen (es sei denn, ihr wünscht das ausdrücklich).

Insgesamt ist ein breites Spektrum an Aufnahmen eingegangen, die teils ganz neue Perspektiven auf scheinbar so Bekanntes eröffnen. Neugierig? Dann nichts wie reingeklickt bei „Look through my eyes„.

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Durch eure Augen am Welt-Autismus-Tag

Ich schubse mal ein wenig die Aktion an – teilen und mitmachen. Los! 😀

Eine Welt - Zwei Wahrnehmungen

Am 02. April ist der Welt-Autismus-Tag. Den wollen wir nicht ungenutzt verstreichen lassen und haben daher gemeinsam mit euch eine kleine Aktion vor: Zeigt uns die Welt, wie ihr sie seht.

Das geht ganz einfach: Schickt uns ein Bild (in adäquater Auflösung), auf dem zu sehen ist, was und wie ihr seht. Das kann ein Detail sein, ein Muster, eine Landschaft, ein Tier – ihr seid vollkommen frei in der Gestaltung, es gibt keinen künstlerischen Anspruch.

Die Aktion richtet sich nicht ausschließlich an Autisten – auch Nicht-Autisten sind willkommen und wir brauchen euch sogar, denn schließlich geht es auch darum, die unterschiedlichen Wahrnehmungen deutlich werden zu lassen. Die Bilder werden dann am Welt-Autismus-Tag in einer Photowand entweder hier im Blog oder in einer extra eingerichteten Tumblr-Wand online gezeigt.

Falls ihr mitmachen wollt, schickt uns also das Bild, mit dem ihr teilnehmt und schreibt in die Email noch kurz hinein, ob…

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Kleiner Software-Crash

Seit gestern sind meine Beiträge verschwunden.

Offenbar hat sich irgendwo ein Fehler versteckt und mein Blog wurde ordentlich „aufgeräumt“. Das ist zwar ärgerlich, aber nicht weiter schlimm – alle Beiträge und Kommentare sind gesichert gewesen und kommen in den nächsten Tagen wieder online. Ich warte nur noch, dass sich das Problem vielleicht auch von alleine löst 🙂

Bis dahin geht es hier natürlich weiter.

Fünf Minuten bis zur Ewigkeit

Hallo,

schon komisch, dass ich dir einen Brief schreibe. Das habe ich noch nie gemacht. Aber ich habe gar keine andere Möglichkeit mehr. Und dabei möchte ich dir eigentlich schon ziemlich lange sagen, dass es mir Leid tut. Mir tut es Leid, dass ich zu spät gekommen bin. Ich bin immer pünktlich, eigentlich überpünktlich. Bei dir war ich zu spät.

Ich glaube, wir beide waren keine guten Telefonierer. Unsere Gespräche waren daher immer recht kurz. Immerhin: Du warst jemand, mit dem ich telefoniert habe. Wenn auch nicht gerne, zugegeben. Aber an diesem Tag, an diesem einen Tag, da habe ich meine Abneigung und Unfähigkeit zu Telefonaten verflucht.

Ich wusste, dass es dir nicht gut geht. Man hatte mir erzählt, dass du Silvester viel Spaß hattest, aber müde warst. Vier Wochen später, beim Geburtstag, da bist du einfach eingeschlafen. Einfach so, mitten unter den Gästen. „Ruf sie doch mal an“, hörte ich mehrfach. „Sie freut sich, wenn du dich bei ihr meldest.“ Und ich – ich habe es hinausgeschoben. Noch einen Tag. Und noch einen. Und noch einen. Weil ich nicht gerne telefoniere.

An diesem Tag kam ich von der Arbeit nach Hause. Normalerweise hätte ich den Bus nehmen müssen, aber ein Kollege hatte mich gefahren. Ich ahnte nicht, dass ich hier bereits den Wettlauf gegen die Uhr verloren hatte. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich den Anruf so lange hinausgezögert habe – immerhin waren fast sechs Wochen seit Silvester und unserem letzten Telefonat vergangen. Und ich nahm mir fest vor: Jetzt rufe ich an. Ich stieg aus dem Wagen, betrat meine Wohnung, griff direkt zum Telefon und wählte deine Nummer. Niemand ging ran. Vielleicht bist du einkaufen, dachte ich mir. Und wollte es später noch einmal probieren. Zwanzig Minuten später klingelte mein Telefon und ich erfuhr von deinem Hirnschlag. Fünf Minuten vor meinem Anruf hatte man noch mit dir gesprochen, es ging dir gut. Als das Telefon kurz darauf bei dir klingelte, war es schon zu spät. Ich war zu spät. Bis heute ist das ein Bild, das mich nicht loslässt. Das Telefon klingelt in deiner Wohnung, auf diesem hässlichen hellbraunen Tisch in dem alten Wohnzimmer. Und du liegst wenige Meter daneben. Was gäbe ich für diese fünf Minuten.

Ich weiß nicht, über was wir gesprochen hätten. Wahrscheinlich hättest du gefragt, was die Schule macht und ich hätte es mir – wie jedes Mal – gespart, dir zu erklären, dass ich nicht mehr an der Schule, sondern an der Uni bin. Vielleicht hättest du nach „den Viechern“ gefragt und ich hätte erzählt, dass es den Mäusen gut geht. Was ziemlich sicher zu der Bemerkung geführt hätte, dass du dir so Viecher nie anschaffen würdest. Vielleicht hättest du vom Tatort erzählt, der mal wieder in der Stadt spielte, in der ich nun lebte. Und ich hätte einfach zugehört. Vielleicht hätte ich mich sogar gelangweilt. Hätte gehofft, das Telefonat schnell zu Ende bringen zu können, weil ich weder wüsste, was ich dir erzählen soll noch geahnt hätte, dass es das letzte Telefonat ist. Aber ich hätte dir zeigen können, dass ich dich nicht vergessen habe. Auch, wenn ich so weit weg wohnte und ein Leben führe, dass dir vollkommen fremd war. Und auch, wenn ich nicht weiß, ob du mich vermisst. Du hast es wahrscheinlich getan, auch wenn du nie etwas sagtest. Warum sonst hast du immer, wenn ich kam, diesen herrlichen Kartoffel-Eintopf gekocht, den nur du so einzigartig machen konntest? Immer im Vorrat, sodass ich noch etwas mit nach Hause nehmen konnte, wenn ich wieder fuhr.

Nein, wir hätten sicher kein tiefschürendes Gespräch geführt, das haben wir nie. Ich weiß bis heute wenig von dir. Aber ich hätte dir gezeigt, dass du zu meinem Leben gehörst. Stattdessen bekamst du nur ein langes Schweigen von mir, weil ich nicht gerne telefoniere. Ein Schweigen, das bis heute andauert. Und das ich auch nicht mehr beenden kann. In den ersten Wochen danach habe ich noch einige Male heimlich deine Nummer gewählt – so, als könnte ich mir die fünf Minuten zurückstehlen, als würdest du doch noch einmal den Hörer abheben. Zwischenzeitlich ist dein Telefon abgemeldet, deine Wohnung ausgeräumt, du bist verschwunden. Was bleibt, ist das Gefühl, etwas unglaublich Wichtiges verpasst zu haben. Endgültig. Wegen dem Unwillen, zum Hörer zu greifen. Und wegen fünf verdammter Minuten. Es tut mir Leid, dass ich zu spät war.

Deine Enkelin