Persönlicher Nachtrag von Frau Briseño

Die Antwort auf den offenen Brief hat viele verärgert – auch mich. Einigen fiel zu Recht auf, dass die Antwort den Standard-Schreiben stark ähnelte, die seit einigen Tagen durchs Netz geistern. Und man fühlte sich “abgewatscht”.

Aber neben der offiziellen Stellungnahme der Spiegel-Online-Redaktion erhielt ich noch eine weitere Nachricht vom 18.12.2012 von Frau Briseño, die ich nach Rücksprache mit ihr und ihrer Zustimmung hier ebenfalls online stellen möchte.

“Ich hoffe, wir konnten zeigen, dass es uns mit dem Thema und mit dessen Umgang ernst ist. Wir haben verstanden, was unsere Berichterstattung verursacht hat und haben, wenn Sie so wollen, unsere Lektion gelernt. [...]

Dennoch gebe ich Ihnen vollkommen recht. Zu diesem Thema muss man mehr berichten – und zwar völlig losgelöst von Amokläufen etc. in einem ganz anderen Kontext und in einem ganz anderen Licht. Wir werden uns deshalb bemühen, das Thema Autismus auf eine positive Weise in die Köpfe der Menschen zu bringen.

Zur Info: Heute war dazu schon der Vorsitzende von autismus Deutschland e.V. bei uns in der Redaktion. Wir hatten ein sehr gutes Gespräch. Und sobald wir über eine neue Berichterstattungsform nachgedacht haben, würde ich tatsächlich Ihr Angebot annehmen und mich ggf. bei Ihnen melden und um Ihre Unterstützung bitten.”

Im Gegensatz zur offiziellen Stellungnahme wird hier in meinen Augen deutlich, dass wir gemeinsam durch unser Aktiv-Werden einen Umdenkprozess in Gang gesetzt haben. Und es bleibt zu hoffen, dass den Bemühungen wirklich angemessene Taten folgen werden.

Das heißt nun aber nicht, dass ich still bleiben werde. Die Aufklärungsarbeit muss geleistet werden, so oder so. Und so lange dieser Artikel, der nachweislich ein sehr schlechtes Licht auf uns Autisten wirft (siehe Kommentar unter diesem Beitrag), im Netz steht, setze ich mich auch für seine Entfernung ein. Spiegel-Online hat sich dazu in der offenen Stellungnahme klar geäußert (“Löschen werden wir den Artikel nicht.”) und so werden nun andere Wege beschritten. Bei Spiegel-Online sehe ich argumentativ das Ende der Fahnenstange erreicht – aber ich habe den Dialog mit der Redaktion als äußerst sachlich, offen und in der Quintessenz auch zielgerichtet empfunden.

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4 thoughts on “Persönlicher Nachtrag von Frau Briseño

  1. Anja sagt:

    na das klingt ja erstmal tatsächlich nach Einsicht… hoffen wir, das sie das tatsächlich ernst meint. Ich stelle mich gerne als Informationsquelle ebenfalls zur Verfügung. Leider kann man ja weder Albert Einstein noch Steve Jobs mehr dazu befragen, deren Beiträge als bekannte Asperger dazu hätten mich sehr interessiert ;-)

  2. Andre sagt:

    Was mir da fehlt: Wenn ich mir die Reaktion angucke sehe ich kein Eingeständnis eines Fehlers.

    Statt “Wir haben verstanden, was unsere Berichterstattung verursacht hat” fänd ich ein “Es tut uns (wer ist das eigentlich alles, dieses “wir”?) Leid, dass wir einen Zusammenhang zwischen Ferndiagnose und Tat hergestellt haben” passender, oder wenigstens ein “Es tut uns Leid, was unsere Berichterstattung verursacht hat”.

    So bleibt mir wieder nur die gleiche Nichtentschuldigung zurück, die es vorher schon gab. So im Stil von “es tut uns Leid, dass sie zu blöd sind (und da genau den Zusammenhang sehen, den wir leugnen hergestellt zu haben)”.

  3. Es bleibt sowieso erst einmal nur das abwarten…
    Mehr kann man nun sowieso nicht mehr tun.

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