Antwort auf offenen Brief

Hier ist die offizielle Antwort auf den offenen Brief an SpOn.
In einer weiteren Email erhielt ich noch persönliche (und in meinen Augen durchaus klärende und interessante) Anmerkungen von Frau Briseño, die ich ergänzen werde, falls und sobald sie dies gestattet.

“Sehr geehrte [Autzeit],

vielen Dank für Ihren Brief vom 16.12.2012. Wir nehmen Ihre Kritik sehr ernst und bedauern, dass der Artikel bei Ihnen und auch anderen Lesern offenbar den Eindruck erweckt hat, wir würden Autisten und potentielle Mörder gleichsetzen.

Solch eine völlig abwegige Gleichsetzung oder eine Stigmatisierung von Autisten liegt uns selbstverständlich absolut fern und war nicht beabsichtigt.

In dem Text wird darauf hingewiesen, dass ein entsprechender Zusammenhang keinesfalls gezogen werden sollte und dass eine Ferndiagnose des Attentäters von Newtown unseriös wäre.

In dem Artikel wird erwähnt, dass Menschen mit Asperger Schwierigkeiten damit haben, Emotionen anderer zu erkennen oder beispielsweise Ironie zu verstehen. Es wird außerdem erwähnt, dass der Attentäter von Newtown als emotionslos beschrieben wurde. Es steht aber ausrücklich nicht im Text, Menschen mit Asperger seien selbst emotionslos.

In dem Artikel steht auch nicht, dass Menschen mit Asperger kaltblütig seien. Ebenso wenig wird behauptet, dass Adam Lanza Autist gewesen sei. Es wird lediglich festgestellt, dass es Hinweise darauf gibt. Der Artikel stellt zudem klar, dass eine autistische Störung noch längst keine Erklärung für die Tat sein kann.

In dem Artikel werden Beispiele für Menschen mit Asperger aufgelistet, die zu Mördern wurden. Dies entspricht den Fakten. Offenbar wurde diese Auflistung von einigen Lesern als Gleichsetzung interpretiert. Das bedauern wir sehr und haben deshalb einen einordnenden Absatz in den Text eingefügt.

Löschen werden wir den Artikel nicht. Vielmehr haben wir uns entschlossen, das Thema Autismus noch intensiver und hintergründiger zu beleuchten, um klarzumachen, dass eine Stigmatisierung der Betroffenen falsch ist. Dabei sollen ausdrücklich auch Betroffene zu Wort kommen.

Mit besten Grüßen,

Dr. Cinthia Briseño
sowie
Chefredaktion Spiegel-Online”

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12 thoughts on “Antwort auf offenen Brief

  1. Schnacksalon sagt:

    Das find ich spitzfindig. Als Journalistin weiß sie genau, wie sie unangreifbar Sätze formuliert und dennoch zwischen den Zeilen fatale Botschaften verbreitet. Für mich erklärt das gar nichts. Ich finde es frech, so zu tun, als sei alles falsch verstanden worden.

  2. Amy sagt:

    Genau, alle haben nur nicht richtig gelesen und dabei leider übersehen, dass sie ja was völlig anderes meint. Meiner Meinung nach setzt die E-Mail nur die Herausrederei fort, die auch schon mit der fadenscheinigen Entschuldigung unter dem Artikel begonnen wurde. Nein, wie kann man auch auf die implizite Botschaft kommen, dass Autisten zu Mördern werden, wenn man da ja nur eine Liste mit Mördern hat, die Autisten sind *Ironie* Darauf kann man ja als Journalist nicht kommen. Oder so ähnlich. Ich bin unheimlich gespannt darauf, was dabei heraus kommt, wenn sie das Thema Autismus noch mal ausführlicher beleuchten wollen.

  3. Das ist ja drollig. Einerseits „haben Menschen mit Asperger Probleme, Ironie zu erkennen“. Mal abseits davon, dass schon wieder „haben“ verwendet wird – statt „können haben“, wie ein ganzer Haufen „neurotypische“ Menschen auch …

    Um Ironie zu verstehen, muss man die Gesamtaussage den Einzelaussagen gegenüberstellen können. Ironie entsteht erst durch einen Widerspruch zwischen diesen Perspektiven. Oder, um doch wieder zum „haben“ zurück zu kommen: Asperger sollen also „ein Problem damit haben“, Einzelaussagen korrekt in Beziehung zum eigentlichen Inhalt zu setzen.

    Aber genau das macht Spiegel Online hier: Die Autorin erkennt nicht den Widerspruch zwischen Gesamtbild (Liste „autistischer“ Mörder + Titel + „Haben/sind“-Aussagen + Thema „Amoklauf in Conecticut“ + Tonalität) und den dazu gehörigen relativierenden Einzelaussagen („gibt nur Hinweise darauf, aber …“). Respektive, sie erkennt nicht, dass es hier einen Widerspruch gibt. War der Artikel denn ironisch gemeint? Das Antwortschreiben lässt eher aufs Gegenteil schließen.

    Das wiederum heißt: Die Autorin wirft „Menschen mit Asperger“ vor, nicht zu erkennen, was diese laut Text nicht erkennen „können“ – obwohl diese Menschen die Differenzierung durchaus gemacht haben und sich auch gerade deshalb ob des Artikels echauffieren.

    Die Autorin nimmt den Widerspruch also selbst nicht wahr und verhält sich gemäß eigener Definition „autistisch“; sie klammert sich an Einzelaussagen und erkennt die Ironie darin nicht.

    Kurzfassung: Idiotisches Antwortschreiben, das aber nicht anders zu erwarten war. Leider.

  4. [...] geschrieben hat, versucht sich in Mails an ihre Kritiker freizustrampeln. So schreibt sie Autzeit: In dem Artikel werden Beispiele für Menschen mit Asperger aufgelistet, die zu Mördern wurden. [...]

  5. [...] Reaktion der Autorin auf einen offenen Brief (Ich habe bis heute(18.12.2012 22:00 Uhr) keine Reaktion von irgendwem beim Spiegel bekommen) Realtion der Autorin Noch ein Rundumschlag zum Thema … und ein paar Worte zu der Liste der angeblich autistischen Massenmörder Podcast der unter anderem auch auf den Artikel eingeht /* [...]

  6. dasfotobus sagt:

    Das ist immer noch alles, aber keine Entschuldigung!
    “Solch eine völlig abwegige Gleichsetzung oder eine Stigmatisierung von Autisten liegt uns selbstverständlich absolut fern und war nicht beabsichtigt.”
    Eine Frechheit ist das! Ich hatte so gehofft. Aber irgendwie weichen die nicht ab von dieser Schiene, wie ja auch die Aussage, den Artikel nicht löschen zu werden, bestätigt.
    Ich gebe es wohl auf, darauf zu hoffen, dass sie verstehen – oder vielleicht verstehen sie ja auch längst und es ist Absicht, aus welchen Gründen auch immer. Aber ich gebe nicht auf, meinen Standpunkt klarzustellen!

  7. [...] bekam eine Antwort auf den offenen Brief, die in weiten Teilen der zuvor an viele Briefeschreiber verschickten Antwort-Mail, die ich gezeigt [...]

  8. Andre sagt:

    Ich mach jetzt mal das gleiche wie die Frau “Doktor” (was für einer isses denn?):

    – Frauen können nicht einparken (unbewiesene, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit falsche Behauptung).
    – Frau Briseño ist eine Frau (zutreffende, völlig unzusammenhängende Tatsache).

    Ich habe nicht gesagt, Frau Briseño könne nicht einparken. Das muss sie sich eingebildet haben. Sollte meine nicht aufgestellte Aussage ihre Gefühle verletzt haben (Nichtentschuldigung), täte mir das leid. Also, dass ihre Gefühle verletzt wären, nicht meine Behauptung durch ‘zufälliges’ Aneinanderreihen von Sätzen.

    Wobei sie ja noch weitergegengen ist und eine ziemlich dünne Ferndiagnose gebracht hat.

    Wie ich kürzlich schon mal auf Twitter schrub scheint Frau Briseño immer noch nicht eingesehen zu haben, dass sie etwas falsch gemacht hat. Für fehlende Einsichtsfähigkeit gibt es doch bestimmt eine hübsche Diagnose im ICD und DSM, oder?

    Und, weil es sich mal wieder anbietet: Alle Verallgemeinerungen sind immer völlig falsch.

  9. [...] Hier ist die offizielle Antwort auf den offenen Brief an SpOn. In einer weiteren Email erhielt ich noch persönliche (und in meinen Augen durchaus klärende und interessante) Anmerkungen von Frau Bri…  [...]

  10. [...] Hier ist die offizielle Antwort auf den offenen Brief an SpOn. In einer weiteren Email erhielt ich noch persönliche (und in meinen Augen durchaus klärende und interessante) Anmerkungen von Frau Bri…  [...]

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