Offener Brief

Jeder hat etwas gesagt. Jeder bloggt, jeder schreibt – und die große Resonanz auf besonders einen SpOn-Artikel zeigt, dass viele Autisten wie ich sich angegriffen und diffamiert fühlen.

Um das – vor allem für mich – zu bündeln, habe ich mich entschlossen, mich nun doch in einem persönlichen und offenen Brief an den Spiegel zu wenden.

“Sehr geehrte Frau Briseño,
Sehr geehrter Herr Mascolo,
Sehr geehrter Herr Müller von Blumencron,

Ich habe nun den gesamten Sonntag mit der Überlegung verbracht, ob ich mich – wie viele – direkt an Sie wende. Am 15. Dezember 2012 veröffentlichten Sie in Zusammenhang mit dem Amoklauf in Newtown einen Artikel auf spiegel-online unter dem Titel „Asperger-Syndrom: Blind für die Emotionen anderer Menschen“. Ich sehe mich von diesem Artikel in zweifacher Weise betroffen: Zum einen als Asperger-Autistin, zum anderen als Journalistin.
Von fachlicher Seite muss ich gestehen, dass ich selten so entsetzt war über einen Artikel wie hier. In meiner Ausbildung bei [einer Medienschule] wird besonders Wert auf eine wahrheitsgemäße, faktentreue und gut recherchierte Berichtserstattung gelegt. Medien wie z. B. „Der Spiegel“ werden uns dabei immer wieder als gute Beispiele vor Augen geführt. Umso enttäuschender ist es, einen solch katastrophalen Artikel ausgerechnet bei Ihnen vorzufinden – die mangelnde Einsicht und das Verständnis der Autorin für die Kritik über die sozialen Medien wie Twitter tun ihr Übriges.
Zum einen ist es ein Unding, einen medizinischen Fachbegriff – wenn man ihn denn schon nennen will – nicht korrekt buchstabieren zu können. So handelt es sich um das „Asperger-Syndrom“ und nicht um das „Asberger-Syndrom“ (übrigens immer mit Artikel, man „hat nicht Asperger-Syndrom“, wie man einen Schnupfen „hat“). Des Weiteren finde ich es fragwürdig, dass eine allem Anschein nach nicht Betroffene Autisten als „Aspies“ bezeichnet. Sicher ist das ein Begriff, den Autisten untereinander verwenden. Aber würden Sie einen spastisch Gelähmten in einer seriösen Berichterstattung mit „Spasti“ betitulieren? Der Begriff „Aspie“ ist zudem eher salopp gehalten – im Zusammenhang mit der Tragödie in Newtown zudem also ganz und gar unpassend.
Viele weitere Aspekte in diesem Artikel sind unsauber bis komplett falsch recherchiert, was nicht gerade zur Seriosität beiträgt – so handelt es sich beispielsweise bei der schizoiden Persönlichkeitsstörung und Autismus um zwei sich ausschließende Diagnosen. Wer autistisch ist, kann nicht schizoid sein (vgl. ICD-10, F60.1). Auch dass es weltweit nur wenige hochbegabte Autisten gäbe, ist schlicht und ergreifend falsch.

Über all diese Punkte hätte ich als Journalistin die Stirn runzeln können und mich mit dem Gedanken getröstet, dass das eventuell eine Praktikantin unter Zeitdruck (dem ist ja leider nicht so) geschrieben hat. Aber folgender Absatz, den ich gerne aus der aktuell online gestellten Version zitieren möchte, ist nicht nur aus journalistischer, sondern auch aus menschlicher Sicht zutiefst fragwürdig:
„Sollte Adam Lanza tatsächlich an einer Form von Autismus gelitten haben, ist das noch lange keine Erklärung für seine grausamen Taten. Gleichwohl gab es bereits Amokläufer, bei denen auch Asberger-Autismus diagnostiziert worden war. Frederik B., der Vierfachmörder von Eislingen, leidet laut psychiatrischem Gutachten an einer schizoiden Persönlichkeitsstörung und hat Asperger-Syndrom. Der vierfache Frauenmörder und Serienvergewaltiger Heinrich Pommerenke, der bis zu seinem Tod 2008 als einer der schlimmsten Verbrecher der Republik galt, war einem Psychiater zufolge Asperger-Autist. Ein Arzt diagnostizierte auch beim rassistischen Heckenschützen von Malmö das Asperger-Syndrom.“
Was hier geschieht, nennt man in der psychologischen Fachsprache „Suggestion“. Sie stellen einen Zusammenhang her zwischen einer psychiatrisch-neurologischen Entwicklungsstörung und massiven Gewaltausbrüchen und Verbrechen. Auch wenn die Autorin behauptet, dass das nie in ihrer Absicht lag, diesen Zusammenhang herzustellen – allein durch die Art der Darstellung tut sie es. Und wenn ihr das wirklich nicht klar sein sollte, dann hat sie ihren Beruf falsch gewählt.

Aus persönlicher Sicht fühle ich mich aber durch diese Darstellung auch zutiefst getroffen, diffamiert und diskriminiert. Bereits der Titel des Artikels „Blind für die Emotionen anderer“ ist als solcher ein Fehlschluss, der in der Öffentlichkeit oft zu finden ist und gegen den ich, andere Autisten und Nicht-Autisten anzukämpfen versuchen. Wir sind nicht „blind für die Emotionen anderer“.
Der Zusammenhang, der nun hergestellt wird zwischen Serienmördern und Vergewaltigern führt dazu, dass ich mich als Person bedingt durch meine “Behinderung” in eine Reihe gestellt fühle mit Heinrich Pommerenke und anderen. Das, was früher das Verbrecher-Gen und irgendwann die Killergame-Spieler war und waren, das sind heute also Autisten. Unabhängig davon, ob es so „gemeint“ war – das ist es, was bei mir und vielen anderen, auch Nicht-Autisten, angekommen ist. Solche Polemik und solch ein Populismus kenne ich von Klatschmedien, hätte es aber nie aus der Richtung des Spiegels erwartet.

Die Reaktion Ihrer Redaktion auf die immense Kritik zu diesem Bericht machte es nur noch schlimmer. Sicher wäre es klug gewesen, den Artikel aus dem Netz zu nehmen, mit Autisten in Deutschland zu reden und vielleicht auch klarzustellen und ausdrücklich zu betonen, dass es keinesfalls seriös ist, eine nachträgliche Fern(!)-Diagnose über einen Amokläufer zu stellen. So geistert dieses Pamphlet aber nun durch das Netz, wird von anderen Medien, die den Spiegel als gute Recherchegrundlage ansehen, genutzt und weiter verbreitet. Und es bleibt die Frage, wie viele Eltern da draußen, die keineswegs über das nötige Hintergrundwissen verfügen (können), Angst um ihre Kinder bekommen: Vielleicht, weil ihr Kind Asperger-Autist ist und es damit potenziell zu furchtbaren Gewaltverbrechen fähig sei. Oder aber weil ein Klassenkamerad der eigenen Kinder Asperger-Autist ist und damit vielleicht eine Bedrohung darstelle.

Sie haben uns Autisten mit diesem Artikel zu Betroffenen des Massakers in Newtown gemacht. Denn nicht das unsägliche Leid der Familien nach der unfassbaren Tat ist Ihr Thema, sondern eine Ihnen fremde Minderheit. In der Bibel bezeichnet man so etwas als einen Sündenbock. Im Mittelalter war es die Hexenverbrennung. Und heute könnte man das als „Aufruf zur Hetzjagd“ verstehen.
Immerhin haben Sie mit diesem Bericht etwas erreicht: Die verborgene Gemeinschaft der Asperger-Autisten, die angeblich so isoliert und „gefühlskalt“ ist, steht gemeinsam und geschlossen auf. Denn wir wollen, wie alle Menschen, Teilhabe an der Gesellschaft. Das ist so schon schwer genug. Mit Ihrer Berichterstattung gerade in diesem besonderen Fall haben Sie uns jedoch stigmatisiert, uns ausgegrenzt, Sie zeigen mit dem Finger auf uns und schüren die Angst. Damit machen Sie jedes Bestreben von Integration und Inklusion zunichte. Und wir wehren uns dagegen. Jeder auf seine Art, sei es online oder per Brief. Wie ich haben sich viele nun öffentlich zu Ihrem Autismus bekannt, um ein klares Statement gegen Ihre Berichterstattung zu setzen.
Ich kann Sie nur aus tiefstem Herzen bitten, diesen Artikel aus dem Netz zu entfernen. Redigieren Sie ihn nicht, schreiben Sie keine weiteren Anmerkungen – entfernen Sie ihn. Und wenn Sie ein Interesse haben am Leben und Über-leben von Asperger-Autisten, dann kramen Sie nicht in irgendwelchen alten Artikeln – fragen Sie uns. Ich stehe Ihnen in diesem Fall gerne für Rückfragen zur Verfügung. Wir wollen über unsere Wahrnehmung, unser Erleben gerne berichten und Ängste abbauen. Und nicht gegen Wände anlaufen müssen, die Sie aufbauen.

Mit freundlichen Grüßen

[Autzeit]

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53 thoughts on “Offener Brief

  1. Der Artikel wurde nun schon überarbeitet. Ich habe auf der FB-Seite von Facebook meine Meinung kundgetan und auch auf die Blogs verlinkt. So wurde der Artikel schon ziemlich angepasst.

    • autzeit sagt:

      Die Überarbeitung macht es in meinen Augen aber nicht besser. Es wird nun eine Aussage relativiert, die so oder so missverständlich bleibt. Zwei vermeintliche Sachverhalte in einem Artikel zu verbinden, Belege zu suchen und dann zu sagen “Ist aber eigentlich nicht so gemeint” funktioniert nicht.

      • Petra Jäschke sagt:

        Ob nun überarbeitet oder nicht. Dieser Artikel wurde von vielen Menschen gelesen und hat Meinungen gebildet. Es macht in der Tat das kaputt, wofür Betroffene so lange gekämpft haben. Nun werden Akzeptanz und Respekt von der Angst vor dem “bösen Autisten” begraben werden. Ich wage mich eh schon kaum, irgendwo zu erwähnen, dass mein Kind Asperger Autist ist, weil ich nicht möchte, dass es A: eine Sonderrolle hat und B: es nicht ausgegrenzt und gemobbt wird (wie schon viel zu oft geschehen). In Zukunft werde ich es nun tatsächlich besser nicht mehr erwähnen. Vielen Dank an die Verfasserin des Artikels im Spiegel *ironieoff*. Setzen, SECHS!

      • Anja sagt:

        Ich überlege, ob ich mich nicht bei Stern-TV melden soll und als Mutter eines Asperger-Kindes live und in Persona mal einiges dazu klarstellen sollte. Ich finde wirklich, dass wir uns wehren müssen, sonst landen wir und unsere Kinder irgendwann wieder auf dem Scheiterhaufen… Was denkst Du dazu?

    • Petitcrü sagt:

      “angepasst”? Woran angepasst? Errare humanum est, aber statt Fehler einzugestehen und diesen Hinweis als Chance, den eigenen Horizont zu erweitern und Neues zu lernen, erfolgt: Anpassung. Damit der eigene Ruf und der des Presseblatts “gerettet” wird? Zu spät. Anpassen, weil man doch zu feige ist, sich der Kritik offen zu stellen? Anpassen, damit die lästigen Autisten Ruhe geben und man wie gehabt oberflächlich, unkritisch, unsachlich und beschränkt “Information” verbreiten kann?

    • Lafrustrada sagt:

      Liebe AutZeit,
      das was Du geschrieben hast trifft den ”Nagel auf den Kopf” (RW), so kenne ich Dich und bewundere Dich dafür!

      Ich bin erstaunt, dass gestern derart viele von unseren Bekannten, die bislang am liebsten ‘versteckt’ geblieben sind, offen Ihre Meinug kund getan haben, ich freue mich!

      Leider unterstützt dieser unsäglich Artikel unsere Befürchtungen, die offen in den einschlägigen Foren diskutiert werden: soll ich meine Diagnose öffnen, oder sage ich besser nichts.
      Ich persönlich befürchte, dass gerade die vielen verunsicherten und auch verängstigten (im Bezug auf Ihre Umwelt) sich jetzt noch mehr in ihre eigene kleine Welt zurückziehen. Ich hoffe aber trotzdem, dass dieses kollektive Aufstehen zum Protest ein deutliches Zeichen setzt.

      Liebe Grüße
      Lafrustrada

  2. [...] Asperger-Syndrom. Ich selbst “habe” kein Asperger-Syndrom. Ich bin nur mit jemandem aufgewachsen, der dieses hat. Und ich habe verdammt noch mal nicht einmal irgendwelche gewalttätigen oder [...]

  3. felicea sagt:

    Danke für deinen Beitrag. Ich unterschreibe jedes Wort.

  4. cassiopeia sagt:

    Ich kann deinen Brief nur unterschreiben. Als Psychologin und als Ehefrau eines Aspergerautisten und Mutter einer Aspergerautistin bin ich über diesen SPON-Artikel nur noch entsetzt.

  5. BHRathke sagt:

    SpiegelOnline hat sich fahrlässig bis auf die Knochen blamiert. Das ist schlechter Journalismus.

  6. [...] Autzeit: Fremdbestimmt, Offener Brief [...]

  7. [...] um den SPON Artikel zum angeblichen Asperger-Syndrom des Amokläufers möchte ich den folgenden Offenen Brief empfehlen. Der Blogeintrag von Autzeit bringt es sehr gut auf den Punkt. Immer wenn es zu solchen [...]

  8. dasfotobus sagt:

    Auch ich unterschreibe diesen Brief gerne mit! Vielen Dank für diese klaren Worte, die ich ganz genau so auch denke.
    Ich möchte als Asperger-Autist akzeptiert werden. Ich möchte mich nicht mein Leben lang verstecken müssen, wie ich es derzeit leider noch weitgehend muss. Ich gehe raus und spiele den NA (Nicht-Autisten). Und das soll irgendwann aufhören. Für alle Autisten!

  9. Michael sagt:

    Stimme voll zu. Allerdings sollten Sie auch wissen, dass Spiegel Online und Der Spiegel zwei verschiedene Dinger sind.

    • autzeit sagt:

      Danke und ja – medial gesehen ist spiegelonline eine selbstständige Nachrichtenseite. Der Spiegel kooperiert aber mit spiegelonline und steht als Verlag hinter der Seite. Daher ging der Brief sowohl an die Autorin, den Verantwortlichen im Sinne des Presserechts (V. i. S. d. P.) und den Chefredakteur.

  10. [...] sich eine Betroffene zu Wort. und zeigt, was diese Berichterstattung auslöst. Mittlerweile hat sie hier einen offenen Brief an die Journalisten [...]

  11. Kand.in.Sky sagt:

    mal sehen: da mordet jemand kleine Kinder nieder, Verzweiflung überall, auch noch
    Weihnachtszeit (die dortigen Menschen werden nie wieder irgendwelche Feste als erwartenswert
    empfinden), vermutlich einhergehend mit gesellschaftlichen/politischen Veränderungen,
    Überlebende/Zeugen werden auch nie mehr ihres Lebens froh – und du spielst die Prinzessin auf
    der Erbse weil du dich nicht würdig genug mit deiner Krankheit dargestellt wirst.

    q.e.d. würde ich sagen.

    • autzeit sagt:

      Nicht ganz. Ich spiele “die Prinzessin auf der Erbse”, weil hier eine “Krankheit” (die formal gar keine ist) instrumentalisiert wird. Das passiert nach solchen Amokläufen neben der teils scheinheiligen Betroffenheitsmentalität immer wieder, nicht nur mit Autisten. In diesem Fall erlaube ich mir jedoch, das Wort zu erheben, weil ich – im Gegensatz zu einem Großteil der Bevölkerung – weiß, wovon ich rede, wenn ich von Autismus spreche. Es geht nicht darum, ob eine “Krankheit [würdig] dagestellt” wird, sondern darum, dass Zusammenhänge gezogen werden, wo keine sind. Und damit vom eigentlichen Thema – nämlich jenem Amoklauf – ablenkt in einer Weise, die keinem der Opfer gerecht wird.

    • Stephan sagt:

      Hier hat niemand gefordert, dass nicht über das Massaker berichten werden soll oder die Ereignisse runter gespielt. Es geht “nur” darum, dass man korrekt berichtet. Aber dieser typische Drang der Medien, alles in Sekundenschnelle erklären zu müssen, führ halt dazu, dass Journalisten ohne groß nachzudenken “Fakten” in die Welt setzen, die viele Menschen als Wahrheit betrachten.

      So zu tun, als hätte hier eine “beleidigte Leberwurst” geschrieben, ist eine Frechheit. Mein Sohn hat auch Asperger und unsere größte Sorge ist nun, ob er selber was von diesen Spekulationen mitbekommt und wie er das ggf. aufnimmt. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie er regiert, wenn er was von den Spekulationen über den Zusammenhang Asperger Gewalttäter hört.

      Und natürlich gilt unsere Sorge in zweiter Linie der Frage, wie das Umfeld darauf reagiert – viele wissen es nicht (zum Beispiel seine Mitschüler), da unser Sohn das nicht mag, wenn andere darüber Bescheid wissen, aber man weiß halt nie, wer solche “Wahrheiten” für voll nimmt.

      Bevor du in Zukunft noch einmal von deinem Elfenbeinturm herunter Weisheiten verkündest, solltest du vielleicht mal nachdenken und versuchen, dich in die Betroffenen hineinzuversetzen. Falls du das doch versucht hast, ist es gründlich in die Hose gegangen.

      @autzeit: Danke für den Brief. Sehr gut geschrieben.

      • Waltraud Dietsch sagt:

        Zuerst einmal herzlichen Dank für Ihren “Offenen Brief”, hinter dem ich voll und ganz stehe. Es ist sehr traurig, dass unsere Asperger Autisten, die es schwer genug in ihrem Leben haben, in diesem Artikel so diskriminiert werden. Gegen solch eine Art von Journalismus muss man sich einfach wehren.
        Als Mutter eines 22jährigen Asperger Autisten bin ich nicht bereit solche Aussagen hinzunehmen. Ich persönlich fühle mich im Kreis der Asperger viel wohler als bei manchen “Normalos”, da unsere Aspies offen, ehrlich, gerade heraus und sehr sensibel sind. Ich bin nicht bereit, meinen Sohn bzw. seine Behinderung zu verleugnen und werde weiterhin dazu stehen und auch dafür kämpfen. Die Zeiten, in denen man Menschen mit Behinderung verstecken musste, sollte eigentlich endgültig vorbei sein!

  12. [...] Populismus pur. Asperger, das Attentat in Newtown und die Rolle von Spiegel Online Meet Autismus Offener Brief von AutZeit wundervoller Spiegel-Online-Artikel Heute kommentiert zum Thema “Autisten als Amokläufer” [...]

  13. Danke für diesen offenen Brief!
    Möge die Welt da draußen ihren Verstand einschalten und sich nicht aufhetzen lassen!
    Meine Tochter hat das Asperger Syndrom. Und sie ist garantiert kein potentieller Amokläufer!

  14. [...] der herbei konstruierten, diffamierenden Kausalität. Ich möchte an dieser Stelle auf den offenen Brief und den Blogbeitrag von quergedachtes aufmerksam [...]

  15. [...] Realitätsfilter mit Lieber Spiegel-Online Querdenkender mit Autismus: Das Medienbild und die Wirklichkeit Fotobus mit Ich töte keine Menschen Autzeit mit Fremdbestimmt Die Amy bloggt mit OT: Newtown, Connecticut Fuchskind mit Feiertagsblues Peachygals mit Adam Lanza und sein angeblicher Autismus Sabine Kiefner mit Mein Name ist Sabine und ich bin keine Massenmörderin (Ein Statement zur Medienberichterstattung) Autzeit mit einem offenen Brief an die Spiegel-Online-Redaktion [...]

  16. [...] ein Zusammenhang hergestellt, den es nicht gibt, er wurde aber suggeriert, wie eine Journalistin im Autzeit-Blog in ihrem offenen Brief [...]

  17. Ich habe mich über die Erwähnung des Autismus im Zusammenhang mit dem Amoklauf in Newton sehr aufgeregt. Viele wissen zwar nicht, was Autismus ist, haben aber jetzt einen Grund für ihre Meinungsbildung.
    Es kommt mir vor wie Anfang der 70igern als man Autismus noch als Teil einer schizophrenen Erkrankung einstufte. Wie kann man nur so einen Blödsinn übernehmen ohne die geringste Ahnung zu haben, was Autismus bedeutet. Anders ist jedenfalls die Herstellung des Zusammenhangs nicht zu erklären.

  18. Planet sagt:

    Ein Gutes hat dieser SpOn-Artikel doch: wieder haben ein paar Leute mehr gemerkt, dass diese Publikation sich qualitativ eben nicht sonderlich vom Boulevard unterscheidet.

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass die brauchbaren Artikel – die man ja durchaus ab und zu dort findet – ganz gezielt eingestreut werden, gerade so viel wie nötig, um nicht vollends als “Bild für Gefühlt-Intellektuelle” abgestempelt zu werden.

  19. 407411 sagt:

    Hallo,

    auch von mir (als AS-Betroffenem) vielen Dank für diese klaren Worte, die ich ebenfalls unterschreiben kann. Es dürfte von vornherein kaum möglich sein, ein selbst für Fachleute so komplexes Thema wie Autismus so zu beschreiben, dass diese Zusammenfassung auch noch im Rahmen (d.h. innerhalb der Länge) eines typischen Artikels auf Online-Newsseiten wie eben bei SpOn inhaltlich erschöpfend und ausgewogen ist und dadurch der vielfältigen Ausprägungsformen von autistischen Persönlichkeiten gerecht wird. Durch eine derartig unprofessionelle Berichterstattung jedoch tut man m.E. nach weder der Aufarbeitung dieses Amoklaufs – auch und gerade einschließlich der Unterstützung der Angehörigen und Hinterbliebenen der Opfer – noch der Akzeptanz von autistischen Menschen einen Gefallen.

  20. Asperger-Amok….

    Saubere Arbeit von den Medien. Abgesehen davon, dass das ehemalige Nachrichtenmagazin Asperger/Autismus den Persönlichkeitsstörungen zuordnet (was absoluter Blödsinn ist), ist wieder eine Gruppe von „Psychos……

  21. [...] laut, Stimmen, von denen ich dachte, dass es sie gar nicht gibt. Menschen, die anders sind, erhoben ihre Stimme, um Vorurteilen Einhalt zu gebieten. Um aufzuklären, um zu erklären, um Raum und Respekt für [...]

  22. Anonymous Aspergian sagt:

    Vielen Dank für diese Blog-Eintrag. Du hast das in Worte gefasst, was ich auch gedacht habe.

  23. Schnacksalon sagt:

    Ich hätte das Geschehen gerne ignoriert, weil ich die Art und Proportion der Berichterstattung über Amokläufe allgemein unlauter finde und sehe, dass ganz andere psychologische Prozesse damit angestoßen werden, als behauptet wird.

    Dein Beitrag und einige andere haben mich aber doch ein genaueres entrüstetes Auge auf die mediale Spirale richten lassen und zum Verfassen eines eigenen Beitrags verleitet.

    http://schnacksalon.wordpress.com/2012/12/17/amok-nicht-mehr-und-nicht-weniger/

    Ich denke, dass die meisten Menschen, deswegen vom Thema Amok so fasziniert und erschüttert sind, weil ihnen durch solche Taten vor Augen gehalten wird, wozu Menschen in der Lage sind. Menschen wie du und ich. Das hält natürlich keiner aus, also werden Unterschiede gesucht, Merkmale, die die Täter zum monströsen Anderen werden lassen, damit man selbst sich wieder sicher fühlen kann vor machtvollen Energien, die in in einem schlummern und zivilisatorisch in Schach gehalten werden müssen.

    Dass dieses menschliche aber unerfüllbare Bedürfnis von der Presse bedient wird, indem Krankheitsbilder oder psychologische Besonderheiten zur Sündenbockillustration herangezogen werden, ist natürlich inakzeptabel und unterste Schublade. Recht so, sich zu wehren!

    Ob es allerdings zielführend ist, die Verbindung Amok-Asperger zusätzlich zu manifestieren, indem man sich in Fernsehshows setzt, wage ich zu bezweifeln.

    Gruß, Luzie

  24. lajulitschka sagt:

    Hallo AutZeit.
    Vielen Dank für diesen sachlichen, gut strukturierten Beitrag.
    Er drückt vieles, was mir seit dem Wochenende im Kopf herumgeistert, treffend aus.
    Gruß, lajulitschka

  25. [...] an Gia für den Link. Ich hätte nie gedacht, das die medien… wobei. doch schon. Aber ich hab nie! damit [...]

  26. Marcus sagt:

    Ich war mal so frei und habe einen Link zum offenen Brief bei Facebook gepostet. Erst einmal möchte ich mich bei Ihnen bedanken, das sie meine Gefühle ob der Berichterstattung der Medien so deutlich in Worte gefasst haben. Als ich am Sonntag die Nachrichten gesehen habe und dort ein Zusammenhang zwischen Asperger Autisten und Amokläufern, Massenmördern so wie Vergewaltigern gezogen wurde, war ich wirklich geschockt! Meine beiden Söhne sind “Aspis” und weit davon entfernt über die Mitmenschen herzufallen. Ganz im Gegenteil, beide versuchen einfach nur am normalen Leben teilzuhaben und ein Teil der Gesellschaft zu sein. Ich bin wirklich schockiert, was solche “Schreiberlinge” anrichten können und offensichtlich dürfen.

  27. My Homepage sagt:

    … [Trackback]…

    [...] Read More here: autzeit.wordpress.com/2012/12/16/offener-brief/ [...]…

  28. [...] laut, Stimmen, von denen ich dachte, dass es sie gar nicht gibt. Menschen, die anders sind, erhoben ihre Stimme, um Vorurteilen Einhalt zu gebieten. Um aufzuklären, um zu erklären, um Raum und Respekt für [...]

  29. Gunnar sagt:

    Vielen Dank!
    Ich bin auch Asperger-Autist und die gleichen Gedanken und Gefühle hatte ich auch nachdem diese Zusammenhäge durch die Medien gemacht wurden.

  30. [...] voices were raised; voices that I did not even know existed. People who are different, raised their voices in order to put a stop to prejudice. In order to educate, in order to demand the space and the [...]

  31. Ulrich Becker sagt:

    Auch von mir recht vielen Dank für den offenen Brief.
    Ich kann dem nichts mehr hinzufügen.

    In den letzten Jahren habe ich mich relativ gut in die Gesellschaft integriert, und habe auch einen stabilen Freundeskreis von Nicht-Autisten. Die meisten meiner Freunde wissen nichts über meine Diagnose, und ich selber vergesse sie in letzter Zeit auch immer öfters, nachdem ich eine etwas problematische Kindheit hatte und eine sehr schwere Zeit als junger Erwachsener.

    Doch leider hat mich dieser Spiegel-online Artikel wieder in meine Realität zurück geholt. Ich fühle mich persönlich angegriffen.
    Ich bin verletzt und es macht mich traurig.
    Es tut mir daher gut zu wissen, dass ich damit nicht alleine bin.

    Wir sind weder Blind für die Emotionen anderer noch für unsere eigenen.
    Im Gegenteil: Ich glaube sogar, unser Alutrismus und Gerechtigkeitsempfinden ist oft überdurchschnittlich ausgeprägt, sodass wir damit oft überfordert sind und dann abschotten, was auf nicht-Autisten den irrtümlichen Eindruck hinterlässt, als wären wir “blind für die Emotionen anderer”.

    Übrigens, ich persönlich halte die Diagnose Asperger-Syndrom weder für eine Krankheit noch für eine Behinderung. Sie ist für mich ein Zustand, wie es für Andere z.B.Homosexualität ist.

    Bedenken wir, früher galt Homosexualität auch als eine Krankheit und Behinderung und wurde sogar strafrechtlich verfolgt.
    Heute können Homosexuelle z.B. Außenminister und/oder Bürgermeister werden.
    Und das ist gut so!

  32. [...] Blogeintrag beitragen. Über den Bullshit von Spiegel, Blick und BILD haben Mela, der Querdenker, Autzeit, Hawkeye und andere in den letzten Tagen ausführlich gebloggt. Das brauche ich hier nicht zu [...]

  33. Katharina sagt:

    Ich finde deinen offenen Brief super!! Und das als “Unbetroffene”. Ich kenne zwar einen Autisten, allerdings nicht sonderlich nahe und habe auch schon jahrelang nichts mehr von ihm gehört.
    Ich bin ebenfalls entsetzt über diesen fürchterlichen Eintrag von SpOn. Das kenne ich sonst nur von den vier Buchstaben.
    Ich hoffe sehr, dass es noch einen seriös recherchierten Artikel im SpOn über Autismus geben wird, um diesen zu entkräften – es wäre das Mindeste.

  34. club|debil sagt:

    Ich gebe Ihne vollständig Recht.
    Allerdings muss ich anmerken, dass der Spiegel schon seit Jahren kein seriöses Medium mehr ist. Das fällt aber meist erst dann auf, wenn man sich als Leser mit dem Thema richtig gut auskennt…

  35. [...] am 15. Dezember 2012 mit einem Bericht bei Spiegel-Online begann, zog immer weitere Kreise. Waren es anfangs nur Autisten, die sich gegen die Form der Berichterstattung wehrten, so schlossen [...]

  36. Artemis Hertz Inchlog sagt:

    Hallo,

    nur eine kleine Korrektur: Im ICD-10 bedeutet “A Exkl. B”, dass das Krankheitsbild B nicht automatisch zum Krankheitsbild A dazugehört, sondern dass B ein eigenständiges Krankheitsbild ist, das gesondert diagnostiziert werden muss. A und B schließen sich aber keineswegs aus. Siehe:

    http://www.dimdi.de/static/de/klassi/faq/icd-10/icd-10-gm/faq_1008.htm_319159480.htm

    Schöne Grüße
    Artemis

    • autzeit sagt:

      Danke.
      Aber bei Schizoidie und dem Asperger-Syndrom handelt es sich meines Wissens tatsächlich um Auschlussdiagnosen. Ohne jetzt jemandem zu nahe treten zu wollen: der Schizoide (nicht angeboren) kann sein Gegenüber intuitiv sehr gut einschätzen, will es aber nicht. Ein Mensch mit Asperger-Syndrom (angeboren) kann es nicht. Beides zusammen sieht im Ergebnis ähnlich aus, kann aber schon der Logik nach nicht gemeinsam auftreten. Aber das ist jetzt nur sehr allgemein geschrieben, sobald ich wieder daheim bin, schaue ich noch mal genau nach.

  37. [...] Ich könnte jetzt jeden der in den vergangenen Tagen erschienenen Spiegel-Online-Artikel auseinandernehmen. Ich könnte nun aufzeigen, was vielleicht “gut gemeint” war, aber schlecht gemacht wurde. Ich könnte mich ärgern, aufregen, wütend werden und wieder lange Briefe schreiben. [...]

  38. [...] Wenn man bei Google News das Wort “autistisch” eingibt, könnte man fast glauben, es sei ein neues Modewort. So oft kommt es in der Medienberichterstattung vor. Nur leider findet es sich nicht nur in der Berichterstattung über Menschen mit Autismus wieder, sondern wird synonym für Menschen und Umstände benutzt, um etwas als besonders negativ zu brandmarken. Gleichzeitig dient Autismus als einfache Erklärung, um das Übel der Welt begreifbar zu machen. Ein Beispiel? Spiegel Online schafft es mit einem Artikel über den Amoklauf von Newton einen Sturm der Entrüstung auf sich zu ziehen. Die Autorin bot der Leserschaft ganz schnell die Diagnose “Autismus” als Erklärung für die schreckliche Tat an. Viele Blogger mit Autismus zeigten sich entsetzt. [...]

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