Hochbegabung

In den vergangenen Wochen fallen mir zunehmend Berichte auf, die sich mit dem Thema Hochbegabung beschäftigen. Das bewegt mich nun zu diesem sehr subjektiven Blogbeitrag, der einzig, allein und ausschließlich meine persönliche Meinung wiedergibt. In diesen Berichten scheint es vor allem zwei Tendenzen zu geben: 1. Hochbegabung ist toll, das hätten wir alle gerne. 2. Hochbegabung ist toll, nur sozial sind die etwas schwierig. Hätten wir trotzdem alle gerne.

Da gibt es Helikoptereltern, die bereits pränatal wissen, dass ihr Kind hochbegabt ist, weil sie den IQ über den Muttermund messen können. Dann gibt es Kinder, die durch abertausende Förderprogramme geschleift werden, weil sie doch bitte endlich mal ihre eindeutig vorhandene Hochbegabung ausspielen sollen. Und dann gibt es verzogene Kinder, deren Hochbegabung nicht zur Entfaltung kommt, weil die Ärzte, Lehrer, Pädagogen “zu dumm für das Kind” sind.

Irgendwo in diesem ganzen Chaos gibt es sie allerdings wirklich – die Hochbegabten. Die mittels eines amtlichen IQ-Tests einen Wert von 130 und mehr Punkten erreichen und somit zu zwei Prozent der Bevölkerung zählen, die – ja, was? In einem IQ-Test einen Wert über 130 Punkten erzielen. Interessant: Formal gesehen gehören sie zu einer Minderheit. Eine Minderheit mit Eigenschaften, diegesellschaftlich nicht erstrebenswert sind, wird diskriminiert (Rollstuhlfahrer, Autisten, Gehörlose, Homosexuelle, und so weiter und so fort). Eine Minderheit mit Eigenschaften, die gesellschaftlich als erstrebenswert gelten, wird landläufig als “Elite” bezeichnet. WTF?

Ich habe mich notgedrungen mit diesem Thema beschäftigen müssen, denn in meiner Schulzeit sollte auch ich an so einem Test teilnehmen. Ich wusste nicht einmal, um was es geht – und erreichte einen Wert um die 150. “Damit geht man nicht hausieren, behalt das schön für dich”, hieß es danach. Ich will es aber nicht mehr für mich behalten. Nicht, weil ich auf diesen Wert stolz bin – schließlich kann ich nichts dafür. Sondern, weil ich in eine gesellschaftliche Maschinerie geraten bin, die so krank und abartig ist, dass ich das nicht einfach hinnehmen oder gar als erstrebenswert stehen lassen möchte. Nach dem Test konnte ich gar nicht so schnell schauen, da war ich in “Förderprogrammen” drin (die “Elite-Schule” konnte ich gerade noch so abwiegeln, ich war so “blockiert”, dass ich mein Abi in den drei verbliebenen Jahren und nicht in einem machen wollte…). Allesamt von Unternehmen gesponsort, die ein Ziel hatten: Potentiell hochleistungsfähige Mitarbeiter rekrutieren. Einer der Schlüsselmomente war, als ein Philosophieprofessor (“Mein guter Freund Martin Heidegger…” – “Manchmal haben Martin und ich gemütlich Wein getrunken und dabei…”) einer Jugendakademie am Fenster stand, auf die Innenstadt blickte und sagte: “Wenn ich aus dem Fenster sehe, dann sehe ich nur dumme Menschen. Aber hier, hier sitzt die Elite.” Der Habitus, der dahintersteckte, löste bei mir dann doch einen Würgereiz aus.

Was bedeutet dieses Wort “Hochbegabung” denn nun für mich? Es heißt, dass ich Inhalte sehr schnell erfasse. Und mir sehr gut merken kann. Dass ich analytisch Dinge schnell durchdenke, dass mir Fehler auffallen, ich Prozesse durchblicke und mich sehr schnell einfinden kann. Es heißt auch, dass mir die Geduld mit anderen Menschen manchmal fehlt, wenn sie irgendetwas partout nicht verstehen wollen, obwohl es offenkundig (für mich) ist. Es heißt auch, dass mir Dinge oft viel zu langsam gehen, weil ich schneller als andere arbeite und mehrere Ebenen mit in mein Handeln einbeziehe. Es heißt, dass ich nicht einfach handeln, sondern viel zu viel denken muss. Dass ich mich schnell langweile – und Langeweile auf Dauer macht krank. Das gilt für alle Menschen. Und sicher, es hilft mir, die typischen autistischen Symptome im Alltagskontext zumindest in Teilen zu kaschieren. Nebenbei bemerkt: Trotz zweifach bestätigter Hochbegabung bin ich trotzdem nicht in der Lage, Zahlen ohne Anstrengung korrekt ohne Zahlendreher aufzuschreiben. Und das bereits im zweistelligen Bereich.

Es heißt aber auch, dass es ein Doppelleben ist. Denn einerseits kann ich in herkömmlichen Kontexten nicht das leisten, was vielleicht ginge, weil die Rahmenbedingungen nicht passen. Also schraubt man sich selbst ständig herunter, baut Fehler ein, weiß vermeintlich Dinge nicht, obwohl man sie weiß. Warum? Weil man mittelfristig nur Ärger bekommt, Neid, Missgunst, Beschimpfungen. Die einem suggeriert, dass man ein schlechter Mensch ist, weil man Dinge, für die andere sechs Monate brauchen, in wenigen Tagen erledigt. Und dann gibt es noch die andere Seite, die sich “Förderung” auf die Fahnen geschrieben hat. Per se ja nicht mal verkehrt – allerdings ist mir persönlich noch keine “uneigennützige Förderung” untergekommen. Das Prinzip war immer gleich: “Wir beschäftigen dich geistig und dafür stellst du uns dein Potential zur Verfügung. Wir schauen nicht nach Stärken und Schwächen, sondern wir entscheiden, dass du alles kannst. Schließlich bist du ja hochbegabt. Parallel suggerieren wir, dass du aber trotzdem zu dumm für diese Welt bist, damit du nicht auf die Idee kommst, unseren Standpunkt in Frage zu stellen.” Überspitzt formuliert…

So kommt man sich dann schnell vor wie das Melkvieh der Nation. In die Pflicht genommen, der “Gesellschaft zu nutzen”, weil man einen IQ über 130 hat. In all den Jahren, in denen ich in diversen Förderprogrammen war, ist mir eine Frage allerdings nie gestellt worden: “Willst du das überhaupt?” Habe ich verweigert, galt ich als “Underachiever” und behandlungsbedürftig. Habe ich brav nach der Pfeife der Förderer getanzt, war ich eine gute, glückliche und optimal geförderte Hochbegabte, die ihre  150 IQ-Punkte der Wirtschaft, der Gesellschaft und Hinz und Kunz zur Verfügung stellt.

Dieses Schielen rein nach einem IQ-Wert geht mir – gelinde gesagt – irrsinnig auf den Keks. Denn dieser Wert sagt nur etwas über die “Hardware” eines Menschen aus, gibt aber null Aufschluss über die Software. Die höchte Intelligenz nützt nichts, wenn das Herz hinter dem Kopf das eines Sadisten ist. Und wenn ausgerechnet der weiß, wie der die “Hardware” zu nutzen hat, dann hat man ein Problem.

Meine Überzeugung ist zwischenzeitlich, dass dieser Test-Wert vollkommen unerheblich ist. Und dass der Hype darum vor allem von Leuten produziert wird, die gerne solche Test-Ergebnisse hätten, aber nicht wirklich wissen, was – zumindest in der heutigen Zeit – das für Folgen hat. Die glauben, viel Intelligenz heißt gleichzeitig viel Erfolg, viel Geld und viel Glück. Wenn ich aber anfange, Kinder nur noch über ihren IQ-Wert zu definieren, dann vermittle ich doch vor allem eine Botschaft: “Du bist nur liebenswert, wenn du etwas leistest.” Das hochbegabte Kind, das gerne im Sand wühlt, ist aber vollkommen in Ordnung. Es muss nicht Geige lernen, in der vielleicht langweiligen Schnellkopfrechen-Förder-AG sein oder 72 gesellschaftstaugliche Hobbys vorweisen. Und es muss auch nicht auf Teufel komm raus den Stempel “hochbegabt” verpasst bekommen, wenn es glücklich und zufrieden ist und die Möglichkeit hat, sich zu entfalten. Ganz ohne Förderwut. Ebenso das normalbegabte Kind, das unbedingt Schach spielen möchte, obwohl es die Regeln nicht wirklich versteht. Dem “Das kannst du nicht” ist da ein viel Wichtigeres “Wenn du es gerne machst, dann mach” entgegenzusetzen. Der Schaden, den man aber anrichtet, wenn man dem Kind permanent eintrichtert, dass es eigentlich viel zu intelligent für diese Welt ist und nur maximale Förderung, aber bitte kein Kind-Sein braucht – das ist fatal. Ist aber wahrscheinlich nicht einfach in einer Werte-Gesellschaft, in der Leistung über Menschlichkeit steht.

Chaoswelten

Ich wirke ruhig. Sehr ruhig. So ruhig, dass es gefährlich ist, für mich. Wenn mein Außen schweigt, ist das Innen im Chaos. Dann überrennen mich Körperreaktionen, die ich nicht einordnen, nicht benennen, nicht sortieren kann. Ich sage mir meine Tagespunkte laut vor, nur um sie im nächsten Moment zu vergessen. Ich plane alles schriftlich ein, nur um dann den Zettel zu verlegen. Ich beobachte meine Umwelt, bin aber nicht mehr dabei. Ganz ruhig. Fingerschnippen mit der linken Hand. Immer und immer wieder. Ich rede nicht, schaue nur. Und sehe doch nichts. In meinem Kopf stürzen Gedankenspiralen ineinander, verdrehen sich, verquirlen sich, sind nicht mehr zuzuordnen, ergeben heilloses Chaos. Ich kann das nicht. Ich finde die Anschlüsse nicht. Gehe achtlos vorbei an den Dingen, die wichtig sind. Die mir wichtig sind. Sehe nicht mehr.

Ich weiß, wo ich bin. Im Auge des Orkans.

Farbenspiel der Töne

Es gibt etwas in meinem Leben, ohne das könnte ich wohl nicht leben: Die Musik. Nun komme ich immer ins Schleudern, wenn mich jemand nach fragt, welche Musikrichtung ich höre. Denn ich habe keine “Richtung”. Und Musik ist für mich auch etwas, das weit über das reine Hören hinausgeht.

Zum einen gibt es Lieder, die ich als “Wasserlieder” bezeichne. Deren Textur ich wie fließendes Wasser an einer Glasscheibe vor mir sehe. Es gibt zwei Arten davon, die einen, die sanft und gemächlich dahinplätschern und die anderen, die wie ein reißender Bach sind. Die keine Grundfarbe haben, sondern nur diese Wassertextur. Nur ersteres empfinde ich als angenehm, und diese Wasserlieder sind für mich die Perfektion. In meiner Sammlung befinden sich drei Lieder, die tatsächlich Wasserlieder sind. Mehr habe ich bislang noch nicht gefunden.

Und dann ist da die Musik, die ich als “schön” empfinde, die aber nicht perfekt ist. In der sich Farben und Formen in stetigen Mustern bewegen, ineinanderlaufen, verschieben. Manche Gruppen schaffen es, all ihren Liedern eine bestimmte “Grundfarbe” zu geben. Bestimmte Instrumente dominieren ein Stück farblich, wie zum Beispiel Geigen. Geigen alleine mag ich nicht, erst mit der “richtigen” Untermalung mit anderen Instrumenten passt es. Dafür “sehe” ich eine Geige in jedem Orchester heraus.

Manchmal gibt es Lieder, ich von der Machart oder der Frequenz eigentlich gar nicht leiden mag, die aber so tolle Farben haben, dass ich sie mir doch anhören möchte. Interessant ist dabei, dass der visuelle Eindruck der Entscheidende ist: Ein Lied kann mir vom Hören noch so gut gefallen, wenn es farblich “nicht passt”, dann kommt es mir nicht ins Haus. Umgekehrt kann ein Lied rein akustisch aber nicht mein Fall sein, das Farbenspiel bringt mich aber doch dazu, es in meine Sammlung aufzunehmen.

Manche Lieder sind wie ein Sprühregen aus Farben und Formen, andere dominieren mit starken Texturen. Wenn ich Musik höre, dann sehr bewusst. Dann mache ich nichts anderes, sondern beobachte nur das Kommen und Gehen der Farben. Mich nebenbei “berieseln” lassen, das geht hiermit einfach nicht.

Schließlich gibt es noch die “Zauberlieder” – Musik, die einzig dafür geschaffen worden zu sein schien, um beim Hören ganze Landschaften zu “malen”.

Musik ist für mich also mehr als ein Gesamtspiel an Instrumenten und Takten. Viel mehr. Ist eine falsche “Farbe” im Stück, dann ist es vorbei. Aber durch die vielen Farben kommt es auch, dass meine Musikstücke so breit aufgestellt sind: Von Metal/Hard-Rock bis Klassik und Chansons, Schlager bis Pop, Rock und manchmal sogar Hip-Hop – wenn der visuelle Eindruck stimmt, höre ich mir das Lied auch an.

 

 

 

Ein Jahr

Wo ist die Zeit hin? Beim Blick in den Kalendern ist mir in den vergangenen Tagen aufgegangen, dass mein Umzug nun ein Jahr her ist. Das klingt so wenig, die Zeit ist so rasend schnell vergangen. Und wenn ich dann zurückschaue, bin ich doch überrascht, was alles in dieser Zeit geschehen ist. Da war der Punkt, dass ich auf einmal keine Studentin mehr war. Sechs Jahre Arbeit für einen Titel waren vorbei. Und das war ziemlich komisch, bis heute habe ich mich nicht daran gewöhnt. Schäme mich fast dafür.

Der Umzug in den Norden, das Volontariat und dann das Monats-Abo für “Läuft gerade richtig scheiße” nahmen einen Verlauf, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Als ich im August hier ankam, dachte ich nicht, dass ich im Oktober bereits den Gedanken “Kündigung” im Kopf haben werde. Und noch weniger daran, dass ich genau diesen Schritt im Februar gehen werde. Ich habe nicht geglaubt, dass eine seit drei Jahren sorgfältig geplante Idee binnen weniger Wochen platzen und mich nebenbei noch an den Rand meiner Kräfte bringen könnte. Und dass die so niedliche Wohnung hinter der wohlgestrichenen Fassade eine zugige Schimmelbude ist, konnte ich vor dem Winter wohl auch nicht ahnen. Ergo stand in dem Jahr bereits der erste Umzug an. Dabei hatte ich gehofft, dass auch das ein Ende haben wird.

Dann war da noch diese absolut gruselige Betreuerin, die meinte, dass mit der Tatsache, dass ich ihre Klientin bin, auch gleichzeitig meine Wohnung in ihren Besitz übergeht. Und ein “Bitte nicht anrufen” nicht für meine Arbeitsstelle gilt. Immerhin: Nach langem Hin und Her habe ich bei dem doch sehr spärlichen Angebot jemanden gefunden, wo es zu passen scheint. Wo Unterstützung nicht in Übergriffigkeit und Grenzverletzung endet.

Ich habe beobachten müssen, wie mir zunehmend die Tage entgleiten, wie der Alltag ein Kampf um jeden Augenblick wird. Gesundheitlich ging es langsam, aber stetig bergab. Ich habe aber auch erfahren dürfen, dass plötzlich aus der Fremde Menschen auftauchen, die ich tatsächlich “Freunde” nennen darf. Die meine eigene Unzulänglichkeit mit einer unglaublichen Gemütsruhe ertragen und es wahrscheinlich nicht mal so nennen würden. Die mit mir hunderte Kilometer durchs Land fahren, mich scheitern sehen und mir dann trotzdem noch einen Erfolg einreden wollen – alles eine Frage der Perspektive. Die mir ein neues, ein anderes Leben zeigen – ohne etwas zu erwarten. Die irgendwo am tiefsten Abgrund des eigenen Ichs auf einen warten und nicht nur eine Taschenlampe dabei haben, sondern gleichzeitig auch noch den Weg raus kennen. Und selbst die Umwege mitgehen, selbst wenn sie eine Abkürzung wissen. Die mit mir kämpfen und leben wollen und zuversichtlich sind, dass das Kämpfen bald vorbei ist und dann nur noch das Leben folgt. Und zwar ein gutes. Menschen, die mir eine Zuversicht vermitteln, die ich selbst (noch) nicht habe. Und an eine Perspektive glauben, an die ich bislang nicht glauben konnte.

Nun denn. Auf geht’s. Möge das kommende Jahr beginnen.

Stiller Alarm

Hier mal ein kurzer Beitrag in fremder Sache, um eine, wie ich finde, relevante Info “unter die Leute” zu bringen.

Gerade fuhr ich von einem Zeitungstermin zurück, als mich auf der Gegenfahrbahn ein rotes Blinken irritierte. Ich wunderte mich, denn es sah nicht wie das Blinken der typischen Baustellenfahrzeuge aus, aber genau einordnen konnte ich es auch nicht. Erst als der Wagen direkt auf meiner Höhe war, erkannte ich, dass es nicht das Fahrzeug war, das ich meinte, sondern das dahinter: Ein Taxi.

Nun lese ich in verschiedenen Blogs mit, unter anderem auch bei Sash Bors. Und dank ihm weiß ich – wohlgemerkt, auch erst seit einigen Wochen – dass es sich bei diesem roten Blinken um einen stillen Alarm handelt. Wenn der Taxifahrer also in einer Notlage ist, im Wagen aber selbst nicht agieren kann, weil er beispielsweise bedroht wird, dann kann er damit nach außen kenntlich machen, dass er Hilfe braucht.

Die Krux an der Geschichte ist, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass dieser Alarm existiert. Auch das klappte quasi sofort in meinem Kopf auf und ich machte also das, was ich ansonsten hasse wie die Pest: Telefonieren. Ganz spontan. Natürlich, NACHDEM ich sofort rechts rangefahren bin. Weil ich davon ausgehen musste (und letztendlich leider Recht hatte), dass es vor und nach mir keiner tun würde, schlicht, weil die Leute es nicht wissen. Aber die Nummer war im Grunde auch ganz einfach: Polizei-Notruf wählen, sagen, wo man steht und dass man ein Taxi mit stillem Alarm gesehen hat, wenn man es hat, Kennzeichen und Taxi-Nummer des Fahrzeugs durchgeben und auch sagen, aus welcher Richtung das Auto kam und in welche Richtung es gefahren ist. Wie bei allem kann es natürlich sein, dass der Fahrer versehentlich an den Knopf gekommen ist. Wenn ich aber bedenke, dass mir bis heute nie ein Taxi mit blinkenden LEDs im Schild aufgefallen ist, halte ich das doch für unwahrscheinlich, es ist also prinzipiell – wie bei jedem Alarm – immer davon auszugehen, dass hier ein Mensch in Not ist. Und dann gehe ich auch nicht davon aus, dass andere das schon richten werden, sondern muss, sollte und will selbst aktiv werden. Selbst dann, wenn für mich von außen betrachtet erst mal keine offenkundige Notlage ersichtlich ist.

Also nicht vergessen: Rot blinkende LEDs oder ein komplett blinkendes Taxi-Schild sind ein Hilferuf. Ruft die Polizei.

Ratlos

Es gibt Zeiten, da traut man seinen Sinnen nicht. Ist verwirrt, suchend, irritiert. Da geschehen Dinge, die man nicht versteht. Die man nie für möglich gehalten hat. Die vielleicht nicht sind. Aber sein könnten. Momente, in denen es so dunkel ist, dass selbst eine Kerzenflamme in den Augen schmerzt. Und die Sonne einen dann fast erblinden lässt. Kann es gleichzeitig dunkel und hell sein? Fragen, die es nie gab. Aber die nun, nachdem sie gestellt wurden, nicht mehr verschwinden wollen.

Da kommt eine unruhige Zeit, die heranzieht wie ein Sturm auf offener See. Und ich frage mich, ob ich darin bestehen kann. Einen sicheren Hafen erreiche. Oder doch kentern werde. Und untergehe. Ich fühle mich wie der Steuermann, der das Unwetter beobachtet und sich fragt, ob das Schiff unter den Füßen tragfähig genug ist. In unbekannten Gewässern, bei Nacht und ohne Sterne als Orientierung.

Segel setzen? Segel streichen? Gleich das Schiff verlassen? Ich bin ratlos.